grün ist die hoffnung

alles grün

grün ist die hoffnung

Das Auge denkt mit, auch bei der grünen Wahlkampagne und dem gesamten grünen visuellen Auftritt!
Und das Auge stört sich an einigem, das Hirn wundert sich. Ich habe Fragen, die mich umtreiben: 

 

GRÜNER WIRD’S NICHT

Die GRÜNEN — die einzige Partei, die eine Farbe ist. Direkter als bei GRÜNEN geht die Verknüpfung des Absenders mit einer Farbe nicht!
Und die Assoziationen sind automatisch positiv. Bei den anderen Parteien sind die Farbbezüge nur historisch gewachsen oder gelernt (SPD > rot, Liberale > Gelb, AfD > braun).

    • Das klassische Satt-Grün hat Kraft, Intensität, Power,
    • ist offensichtlich mit Natur, Umwelt, Ökologie assoziiert
    • aber auch mit positiver Energie, Wachstum, Frische, Erholung, Ruhe, Klarheit und etwas Kühle.
    • Im übertragenen Sinne mit gesundem Menschenverstand, Optimismus, Zukunft und traditionell mit der Hoffnung.

„Die Farbe macht – ebenso wie das Logo – klar, wer Absender der Kommunikation ist. Grün steht für positive Energie, Umwelt, Verjüngung, Wachstum und Leben.“ so das Corporate Design Manual der GRÜNEN von 2017.

 

DAS ASS AUS DER HAND GEGEBEN

Zur Kennfarbe der Kampagne wurde ein schwer definierbares helles Grün, das weder Apfel- noch (selbst-)leuchtendes Neongrün ist. Lindgrün? Pistazie? Avocado? Erbsensuppe? Neidgrün? Eine unglückliche Entscheidung in mehrfacher Hinsicht: 

    1. der Farbe fehlt Kraft, eine Pastellfarbe mit viel Weiß, kosmetisch, zu blass, zu leicht, zu fein. 
    2. Sie hat nur schwache Kontraste zum WEISS der Typo & zum GELB der Sonnenblume (key element).
    3. Sie kann in der Mengenproduktion problematisch, schnell zu blass und käsig werden.
    4. Auch im Digitalen, wo um Aufmerksamkeit gekämpft wird und auffällige Signale gebraucht werden, ist sie schwierig.
    5. Darüberhinaus: Statt in einfachem, klassischen Rot sind Störer und Wichtiges in Rosarot gehalten.
      Auch hier ist der Kontrast zum Hellgrün ungenügend, fast unangenehm. Eine schwache Farbkombination..

 

Das vorhandene Corporate Design wurde nicht genutzt und beste Voraussetzungen verschenkt.
Es ist zwar einige Jahre alt, aber deswegen nicht schlecht – muss zwingend etwas Neues gemacht werden? Es besteht aus den starken, wiedererkennbaren, einprägsamen Elementen: – das intensive, leuchtende Grün plus eine charakterstarke, eigenständige, für Plakate bestens geeignete Schrift.

 

 

PLAKATE & VISUALS 

Der Nutzen von Wahlplakten generell sei dahin gestellt, aber wenn schon, dann müssen Plakate so einfach und einprägsam wie nur irgend möglich sein. Natürlich sind die Argumente wichtig, aber sie müssen auch kommuniziert werden und beim Empfänger ankommen. Und gerade dieser Wahlkampf hat wieder einmal gezeigt, dass das Nonverbale, ein Bild, eine Stimmung, der Gesamt-Eindruck mindestens genau soviel zählen – manchmal leider sogar mehr als der Inhalt! 
So gesehen waren die Plakte und Medien des GRÜNEN Wahlkampfes nicht optimal. Es gilt „KISS“: „Keep ist simple and stupid“. Großflächenplakate – gerade Wahlplakate – „sieht man mit dem Auto“, keine Zeit für komplexe Botschaften. Sie brauchen Weitenwirkung, müssen auf Anhieb und den ersten Blick funktionieren — eben mehr visuell, als verbal. 

Ein Bild, ein Satz — am besten eine Kombination, die im positiven Sinne irritiert und hängenbleibt: 
die Farbe GRÜN, ein gutes Portrait, ein key visual, ein kurzer, intelligenter Satz, die Sonnenblume — fertig! 
Allein schon diese Schlüsselelemente haben genug Wiedererkennungswert.

 

PLAKATE OHNE MUT

Abgesehen davon sind die Kampagnenmotive prinzipiell eher so, wie übliche Wahlplakate.
Warum präsentiert sich die Partei, die für einen Wechsel, für Zukunft und für neue Konzepte steht, nicht auch von Grund auf anders gedachte Visuals?

Zur Anregung empfehle ich https://heartdirectorsclub.org     — Vote For Future. Poster zur Bundestagswahl.— „Mehr als 45 Designer*innen haben über 50 Plakate für eine neue Politik und lebenswerte Zukunft gestaltet.“

 

BILDER & FOTOGRAFIE — GRÜNES ELEND  

Alle Personen und Motive sind schwarz-weiß bzw. monochrom gehalten! Da ist kein Leben, kein Kontrast, keine richtige Substanz!

Die Portrait-Fotos sind nicht natürlich farbig, sondern transparent auf hellgrünen Grund. Es scheint ihnen jegliches Leben entzogen, alles wirkt blass und unnatürlich! (Allein das ein Killer-Kriterium.)

    1. ungesunde grüne Gesichtsfarbe
    2. Personen verschwimmen, kein Kontrast
    3. die Hauptkandidat*innen schauen nicht in die Kamera, sind abgewendet, teils in seltsamer verdrückten Haltung. Unglückliche Anschnitte, Hände nicht zu sehen
    4. auch Themen-Plakate sind schwer zu erkennen, schwer zu verstehen
    5. dazu ein verbales Konzept mit spitzfindigen, anspruchsvollen Headlines, für schnelle Kommunikation auf Plakat oder posting wenig geeignet, allenfalls für Drucksachen, die gelesen werden. Dabei bietet Grün konzeptionell & sprachlich so viele Anregungen von sich aus:  Grüne Hoffnung…, Grünes Licht… wie die Beispiele zeigen.

 

ALLES AUF GRÜN! – MEHR IST MÖGLICH!
einfache Optimierungen für mehr Kraft, mehr Energie:

    1. schon ein anderer Überlagerungseffekt bringt
    2. mehr Kontrast, bessere Erkennbarkeit,
    3. natürliche Farbigkeit bringt das Leben zurück.
    4. Auf sattem, strahlenden Grün leuchten Sonnenblume und weiße Schrift prominent, klar und deutlich. 

 

DAS GRÜNE LEUCHTEN

Das beste „Wahlkampf-Plakat“ war der Spiegel-Titel vom Sommer 2021: ein Knaller-Portrait von Annalena Baerbock, das Selbstbewusstsein, Positivit und fast schon Sieges-Sicherheit ausstrahlt! Eine selbstverständliche Haltung, schönes Lachen, lebendige Farbigkeit. Absolut mitreißend! – und vor allem: das leuchtende, strahlende Grün! — besser kann man es kaum machen. Von diesem Fotografen (Dominik Butzmann) noch ein Portrait von Robert Habeck und ein Doppelportrait – Fertig!

 

GRÜN IST DIE HOFFNUNG!

(alle Abbildungen sind freie Arbeiten, zu Demo-Zwecken, reine Vorschläge, die auf veröffentlichten Layouts basieren. Bildrechte liegen bei den genannten Fotografen.)